Vasile Ştefănescu

Erinnerungen an meine Jugend 1


Es war 1966. Ich war gerade etwas über 20 Jahre alt und hatte damals zwei Freunde. Zusammen reisten wir viel und verbrachten einen großen Teil unserer Freizeit auf langen Fahrradtouren.
In jenem Jahr war im Januar ein Gesetz verabschiedet worden, das uns Rumänen erlaubte, nach Jugoslawien zu reisen.
Das war bis dahin ein feindliches Land. Aber jetzt waren wir Freunde. In der Politik müssen wir immer vorsichtig sein.
Fur uns war Jugoslawien ein westliches Land, und von dort konnten die Menschen in den Westen reisen, aber für uns Rumänen war es damals nur ein Traum.
Wir waren begeistert und hatten beschlossen, mit dem Fahrrad für einen Monat durch Jugoslawien zu reisen.
Die Formalitäten für Pässe und Geld musste ich erledigen. Wir wollten mit dem Zug nach Belgrad fahren und von dort weiter mit dem Fahrrad durch Zagreb, Ljubljana und Triest, die Halbinsel Istrien, durch Rijeka und dann weiter an der Adria-Küste im Süden bis nach Dubrovnik. Wir mussten uns Lebensmittel und Ausrüstung für einen Monat beschaffen . Wir hatten kein Zelt, nur Schlafsäcke. Wir dachten, Im August ist es heiß, dachten wir, deshalb können wir unter freiem Himmel schlafen.
Unsere Lebensmittel mussten wir dort kaufen. Man konnte sie in sehr guter Qualität finden. Es gab noch keine verfälschten Produkte.
Aber leider keine Coca Cola! Und uns war auch keinerlei Freizügigkeit gestattet.
Es gab nur sehr wenig Autos. Deshalb beneideten wir den Westen wegen seiner Freiheiten und elektronischen Waren. Unsere Vorbereitungen dauerten mehrere Monate an.
Endlich kam der Tag der Abreise, am 1. August!
Unsere Fahrräder hatten wir schon durch Paketpost nach Belgrad geschickt.

Wir fuhren also mit dem Zug nach Belgrad. Von dort aus sollte es weiter mit dem Fahrrad gehen.
Damals lebte ich in einer Wohnung im Wohnblock 10, Dacia Boulevard.
Am 1. August, am Abend, sollten wir uns alle drei also auf dem Bahnhof treffen und mit dem
22 h-Zug nach Bukarest fahren.
Ich hatte das Geld und Pässe für uns alle bei mir. Abends vor der Abfahrt vom Bahnhof wollte ich noch etwas zum Essen vorbereiten. Ich dachte, 30 Minuten reichen aus, am Bahnhof anzukommen. So kochte ich also ein paar Eier; das dauerte etwa zehn Minuten.
Aber als ich losging, stellte ich fest, dass für mich ein Rucksack und zwei Koffer unerwartet schwer waren. Ich musste also langsamer gehen, und als ich etwa 50 m vom Bahnhof entfernt war, sah ich den Zug gerade den Bahnhof verlassen, in dem vielleicht schon meine Freunde waren, ohne Geld und Pässe. Ich hatte doch ihr Geld und ihre Papiere bei mir. Natürlich machte ich mir Sorgen deshalb. Nach einigen Panik-Minuten hatte ich eine Idee. In der Stadt gab es einen Taxistand.
Also rief ich ein Taxi. Der Fahrer versprach, dass er vor dem Zug die Stadt Buhusi erreichen könne.
So ein Taxi war damals sehr teuer, ein Luxus für uns; aber es erreichte tatsächlich Bacau rechtzeitig, wo unser Zug auf den Anschlusszug aus Suceava wartete. Ich zahlte dem Taxifahrer ein kleines Vermögen, aber eine gute Erfahrung kostet immer viel.
Auf dem Bahnsteig traf ich dann aber nur einen meiner beiden Freunde.
Auch unser dritter Kamerad hatte den Zug verpasst.
So standen wir nur zu zweit auf dem Bahnhof Bacau und wussten nicht, was wir machen sollten.
Weitere Abenteuer das nächste Mal!
Danke!

13. April 2011

Erinnerungen an meine Jugend 2
Von Bacau nach Belgrad

So standen wir also auf dem Bahnsteig des Bahnhofs in Bacau und wußten nicht, was wir machen sollten. Der dritte war ein ungarischer Freund, ein sehr netter Kerl. Er war auch ein richtiges Original. Jedes Jahr im Dezember machte er einen Sprung in den Kanal Bistrita. Später wechselte sein Arbeitsplatz nach Timisoara. Zweimal im Jahr kam er nach Piatra Neamt, einmal in Sommer, um auf den Ceahlau zu klettern, und im Dezember für ein Bad im Kanal Bistrita. Er verspätete sich sehr oft zur Arbeit, weil er den Wecker nicht hörte; deshalb stellte er sich 2-3 Wecker. Er liebte aber guten Wein, und so verspätete sich immer wieder zur Arbeit.
Daher dachten wir jetzt, er hat wieder die Uhr nicht gehört, und beschlossen, die Reise fortzusetzen und auf ihn in Bukarest zu warten.
Wir reisten bequem und kamen am Morgen in Bukarest an.
Dort blieben wir auf dem Bahnsteig und warteten auf jeden Zug aus Bacau.
Endlich, am Nachmittag, sahen wir Laszlo, wie er aus dem Zug stieg.
Es war so, wie wir gedacht hatten. Er hatte den Wecker nicht gehört. Also nahm er einen Lastwagen nach Bacau und fuhr von dort mit dem Zug weiter nach Bukarest.
Aber in Bacau hatte er keine Zeit gehabt, eine Fahrkarte zu kaufen. So fuhr er schwarz nach Bukarest.
Der Schaffner erwischte ihn und gab ihm eine Geldstrafe.
Aber mehr ärgerte ihn, dass er zu Hause seine Jockeymütze vergessen hatte.
Wir erledigten die Zollformalitäten für die Zusendung unserer Fahrräder nach Zagreb. Anschließend gaben wir unsere Sachen zur Gepäckaufbewahrung. Jeder von uns hatte drei Koffer.
Wir hatten unsere Fahrkarten in unserer Stadt gebucht; aber hier hatten sie noch keine Benachrichtigung bekommen. So hatten wir keine Sitzplätze im Zug nach Timisoara; nach langen Diskussionen haben wir dann in der letzten Minute drei Sitzplätze bekommen. Den Rest des Nachmittags verbrachten wir in der Stadt, um einige Lebensmittel zu kaufen, die wir in Piatra Neamt nicht gefunden hatten.
Unser Zug nach Belgrad fuhr um 22 Uhr ab.
Am Abend waren wir wieder am Bahnhof. Da haben wir ein Bier im Restaurant 20 Minuten vor Abfahrt des Zuges getrunken und gingen dann zur Gepäckaufbewahrung, um unsere Koffer abzuholen. Aber dort warteten etwa 50 Menschen in der Schlange. Die Zeit wurde knapper und knapper. Endlich haben wir den Leuten die Situation erklärt und fragten, ob sie uns vorlassen könnten.
Der Angestellte brachte schnell alle Koffer, nur mein Rucksack war nicht zu finden.
Meine Freunde rannten mit ihren Koffern los und stiegen in den Zug.
Ich sprang durch das Fenster des Gepäckaufbewahrungsraumes, um meinen Rucksack zu finden.
Dort sah ich etwa 30 gleichartige Rucksäcke auf dem Regal liegen.
Wie konnte ich meinen herausfinden? Wie immer kam mir eine gute Idee.
Ich erinnerte mich, dass in der Seitentasche die Fahrradpumpe war, und ich konnte den Pumpengriff sehen.
So fand ich schnell meinen Rucksack, sprang durch das Fenster zurück und lief mit meinen drei Koffern zum Zug. In letzter Minute schaffte ich es einzusteigen.
Die Fahrt war angenehm und wir kamen um 7 Uhr morgens in Timisoara an.
Die Zollkontrolle an der jugoslawischen Grenze war einfach. Ich deklarierte am Zoll 300 Lei. 97 Lei habe ich nicht erwähnt. Um 11 Uhr kamen wir in Belgrad an.

Danke!

2. Mai 2011